Interview · Kommunaler Ordnungsdienst Köln · August 2026
Body-Cams sind beim Kommunalen Ordnungsdienst der Stadt Köln längst fester Bestandteil des Einsatzalltags. Im Interview mit Andreas Bach sprechen wir über die Erfahrungen der Stadt Köln mit Body-Cams, die Auswirkungen auf Sicherheitsgefühl und Deeskalation sowie die organisatorischen und datenschutzrechtlichen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einsatz.
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Body-Cams im Außendienst des Kommunalen Ordnungsdienstes Köln
1 pro Streife
Trageverpflichtung: Jedes Zweierteam führt mindestens eine Body-Cam mit
01.07.2026
Start der Pre-Recording-Funktion, Nutzen wird ausgewertet
Herr Bach, wie viele Einsatzkräfte sind aktuell mit Body-Cams ausgestattet und in welchen Bereichen?
Aktuell verfügen wir über 75 Body-Cams, die ausschließlich im Außendienst des Kommunalen Ordnungsdienstes eingesetzt werden. Die Geräte sind täglich im Einsatz. Bei uns besteht eine Trageverpflichtung: Jedes Zweierstreifenteam muss mindestens eine Body-Cam mitführen.
Unser langfristiges Ziel ist es, alle Mitarbeitenden im Außendienst mit einer personalisierten Body-Cam als festem Bestandteil der persönlichen Schutzausstattung auszustatten. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Geräte jederzeit einsatzbereit und den jeweiligen Mitarbeitenden fest zugeordnet sind.
Aufgrund des weiteren Personalaufwuchses wird der Bestand an Body-Cams perspektivisch weiter ausgebaut.
Unsere bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass eine reine Poollösung für unsere Organisationsstruktur nur eingeschränkt praktikabel ist. Unterschiedliche Dienstzeiten, standortübergreifende Einsätze sowie die erforderlichen Lade- und Übergabeprozesse führen zu einem erheblichen organisatorischen Aufwand. Eine personenbezogene Ausstattung bietet hier deutliche Vorteile hinsichtlich Verfügbarkeit, Einsatzbereitschaft und organisatorischer Abläufe.
Was hat sich seit der Einführung der Body-Cams im Arbeitsalltag am meisten verändert?
Die größte Veränderung ist aus meiner Sicht das deutlich gestiegene Sicherheitsgefühl unserer Mitarbeitenden. Viele Kolleginnen und Kollegen berichten, dass sie mit einer größeren Handlungssicherheit in schwierige Einsatzsituationen gehen. Gleichzeitig erleben wir, dass bereits das sichtbare Tragen einer Body-Cam in vielen Situationen deeskalierend wirkt. Häufig reicht der Hinweis auf eine mögliche Aufnahme aus, damit sich aggressive Personen beruhigen oder ihr Verhalten überdenken.
Darüber hinaus haben wir heute eine wesentlich bessere Möglichkeit, kritische Einsatzlagen objektiv nachzubereiten. Videomaterial kann helfen, Sachverhalte nachvollziehbar darzustellen und dient im Bedarfsfall als wertvolles Beweismittel.
Wie war die Stimmung unter den Mitarbeitenden vor der Einführung, und wie hat sie sich seitdem entwickelt?
Wie bei jeder neuen Technik gab es zunächst unterschiedliche Meinungen. Einige Mitarbeitende waren von Anfang an überzeugt, andere standen der Einführung zunächst eher zurückhaltend gegenüber. Die häufigsten Fragen bezogen sich auf den praktischen Nutzen, die Bedienung und die rechtlichen Rahmenbedingungen.
Durch eine intensive Einbindung der Beschäftigten, umfangreiche Schulungen und transparente Kommunikation konnten viele dieser Fragen frühzeitig beantwortet werden. Heute gehört die Body-Cam für die meisten Kolleginnen und Kollegen selbstverständlich zur persönlichen Schutzausstattung. Das positive Feedback aus dem Einsatzalltag bestätigt diesen Wandel sehr deutlich.
Gab es anfängliche Vorbehalte (Datenschutz, Mehraufwand, Misstrauen von Bürgerinnen und Bürgern), und wie wurde damit umgegangen?
Datenschutz spielte selbstverständlich eine zentrale Rolle. Deshalb wurden bereits frühzeitig der behördliche Datenschutzbeauftragte sowie der Personalrat eng in das Projekt eingebunden. Gemeinsam wurden datenschutzkonforme Prozesse entwickelt und in einer umfassenden Dienstanweisung verbindlich geregelt.
Auch gegenüber der Öffentlichkeit setzen wir auf Transparenz. Die Bürgerinnen und Bürger werden über den Einsatz der Body-Cam informiert, und die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Aufnahme werden konsequent eingehalten.
Häufig reicht der Hinweis auf eine mögliche Aufnahme aus, damit sich aggressive Personen beruhigen oder ihr Verhalten überdenken.
Andreas Bach, Kommunaler Ordnungsdienst der Stadt Köln
Hat sich die Deeskalationswirkung der Body-Cam messbar auf die Zahl oder Intensität von Konfliktsituationen ausgewirkt?
Eine rein statistische Bewertung ist schwierig, da Einsatzlagen von vielen Faktoren beeinflusst werden. Unsere praktischen Erfahrungen zeigen jedoch eindeutig, dass Body-Cams eine spürbare deeskalierende Wirkung entfalten.
In zahlreichen Situationen verändert sich das Verhalten aggressiver Personen bereits nach der Ankündigung einer möglichen Aufzeichnung. Beleidigungen, Drohungen oder körperliche Aggressionen nehmen häufig unmittelbar ab. Gleichzeitig erhöht die Body-Cam die Professionalität auf beiden Seiten, da allen Beteiligten bewusst ist, dass das Geschehen dokumentiert werden kann.
Für uns steht dabei weniger die eigentliche Aufnahme im Vordergrund, sondern vielmehr die präventive Wirkung.
Welche Kennzahlen werten Sie systematisch aus (Anzahl Aufnahmen, Anlässe, Dauer, Verwendung als Beweismittel) und wie fließen die Auswertungen in interne Prozesse ein?
Wir erfassen unter anderem die Anzahl der Aufnahmen, die Einsatzanlässe, die Verwendung der Aufzeichnungen als Beweismittel sowie technische Kennzahlen wie Geräteverfügbarkeit oder Ausfallzeiten.
Darüber hinaus fließen Erkenntnisse aus der Einsatzpraxis regelmäßig in unsere Schulungen und Dienstanweisungen ein. Besonders interessante Einsatzlagen werden anonymisiert ausgewertet, um Handlungsempfehlungen für vergleichbare Situationen abzuleiten.
Mit der Einführung der Pre-Recording-Funktion zum 01.07.2026 werden wir zukünftig zusätzlich evaluieren, welchen Mehrwert diese Funktion insbesondere bei spontan eskalierenden Einsatzlagen bietet.
Welche technischen Neuerungen würden den Einsatzalltag noch reibungsloser machen?
Die technische Entwicklung schreitet kontinuierlich voran. Besonders wünschenswert wären aus unserer Sicht eine noch längere Akkulaufzeit, sowie eine vereinfachte Geräteverwaltung.
Darüber hinaus sehen wir Potenzial bei der automatisierten Dokumentation von Geräteausgaben, einer noch komfortableren Verwaltung der Videodaten sowie einer besseren Integration in bestehende IT-Prozesse.
Grundsätzlich sind wir jedoch bereits heute mit der eingesetzten Technik sehr zufrieden.
Was würden Sie anderen Kommunen raten, die gerade über die Einführung von Body-Cams nachdenken?
Mein wichtigster Rat lautet: Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für die Vorbereitung und binden Sie alle relevanten Stellen frühzeitig ein. Dazu gehören insbesondere die Beschäftigten, der Personalrat, der Datenschutz, die IT sowie die Rechtsabteilung.
Ebenso wichtig ist eine praxisnahe Schulung der Mitarbeitenden. Die Body-Cam ist kein technisches Selbstzweckgerät, sondern ein Einsatzmittel, das verantwortungsvoll und rechtssicher eingesetzt werden muss.
Aus unserer Sicht überwiegen die Vorteile eindeutig. Die Body-Cam trägt wesentlich zum Schutz der Einsatzkräfte bei, unterstützt eine professionelle Einsatzbewältigung und schafft durch eine objektive Dokumentation zusätzliche Transparenz. Sie ist heute ein fester Bestandteil unserer persönlichen Schutzausstattung und aus dem Einsatzalltag des Kommunalen Ordnungsdienstes nicht mehr wegzudenken.

Zur Person
Andreas Bach
Stellvertretender Sachgebietsleiter, Kommunaler Ordnungsdienst der Stadt Köln
Andreas Bach ist stellvertretender Sachgebietsleiter im Bereich Innendienst – Konzeption und Strategie sowie Fachcontrolling und Koordinierung beim Kommunalen Ordnungsdienst der Stadt Köln. Er hat die Einführung von Body-Cams im kommunalen Außendienst von Beginn an begleitet und kennt den Einsatz der Kameras samt organisatorischen, rechtlichen und sicherheitsrelevanten Anforderungen aus der Praxis.
Häufig gestellte Fragen
Warum setzt der Kommunale Ordnungsdienst Köln Body-Cams ein?
Die Body-Cams sollen insbesondere die Sicherheit der Mitarbeitenden erhöhen und zur Deeskalation beitragen. Nach den Erfahrungen der Stadt Köln kann bereits das sichtbare Tragen einer Kamera dazu führen, dass aggressive Personen ihr Verhalten ändern. Aufzeichnungen können zudem bei der objektiven Nachbereitung von Einsätzen und als Beweismittel helfen.
Was ist Pre-Recording bei einer Body-Cam?
Beim Pre-Recording werden fortlaufend kurze Bildsequenzen zwischengespeichert, ohne dass daraus automatisch eine dauerhafte Aufzeichnung entsteht. Wird die Body-Cam in einer entsprechenden Situation aktiviert, kann dadurch auch das unmittelbar vorausgehende Geschehen dokumentiert werden. Die Stadt Köln führt die Pre-Recording-Funktion zum 1. Juli 2026 ein und möchte insbesondere den Nutzen bei spontan eskalierenden Einsatzlagen evaluieren.
Was rät die Stadt Köln anderen Kommunen bei der Einführung von Body-Cams?
Die Stadt Köln empfiehlt eine sorgfältige Vorbereitung und die frühzeitige Einbindung aller relevanten Stellen. Dazu gehören Beschäftigte, Personalrat, Datenschutz, IT und Rechtsabteilung. Ebenso wichtig sind praxisnahe Schulungen, damit die Body-Cam verantwortungsvoll und rechtssicher eingesetzt werden kann.
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