Body-Cams bei der Rheinbahn: ‚Der größte Erfolg ist das Video, das gar nicht erst aufgenommen werden musste‘

Body-Cams im ÖPNV: Mehr Sicherheit durch Prävention und Deeskalation

Aggressives Verhalten gegenüber Fahrausweisprüferinnen und Fahrausweisprüfern gehört für viele Verkehrsunternehmen inzwischen zum Arbeitsalltag. Die Rheinbahn AG setzt deshalb auf Body-Cams als Teil eines umfassenden Sicherheitskonzepts. Im Interview erläutert Edeltraud Beer, Sachgebietsleiterin Fahrausweisprüfung bei der Rheinbahn AG, warum die Kameras eingeführt wurden, welche Erfahrungen die Mitarbeitenden im Einsatz machen und welche Rolle Prävention, Datenschutz und Deeskalation dabei spielen. Zudem gibt sie einen Einblick in die Sicherheitsstrategie der Rheinbahn AG und ihre Wünsche für die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs.

Frau Beer, welche Herausforderungen haben sich in den letzten Jahren bei der Fahrausweisprüfung besonders verschärft und welche konkreten Anlässe und Entwicklungen haben die Einführung von Body-Cams notwendig gemacht?

In den vergangenen Jahren hat sich das Klima im öffentlichen Raum spürbar verändert. Eine wesentliche Herausforderung ist die zunehmende Emotionalisierung der Fahrgäste bei Beanstandungen – einfache Kontrollsituationen eskalieren heute oft schneller als früher. Die Entscheidung für Body-Cams wurde durch diese Entwicklung notwendig und dient der Prävention sowie der Deeskalation. Die Präsenz der Kamera wirkt als digitaler Zeuge und führt zu einer Abschreckung potenzieller Täter, sodass Situationen gar nicht erst handgreiflich werden.

Zudem ermöglicht sie eine objektive Beweissicherung des Geschehens – zum Schutz und auch zur Entlastung der Mitarbeitenden bei ungerechtfertigten Vorwürfen. Das Sicherheitsgefühl ist außerdem ein wichtiges Bedürfnis unseres Personals, das während des Dienstes Rückhalt und Schutz benötigt.

Sind Body-Cams Teil eines umfassenderen Maßnahmenpakets bei der Rheinbahn AG?

Ja, definitiv. Wir betrachten die Body-Cam nicht als Einzellösung, sondern als einen Baustein innerhalb unserer ganzheitlichen Sicherheitsstrategie. Dazu gehören regelmäßige Deeskalationsschulungen, Anpassungen in der Einsatzplanung sowie bei Teamstärken. Die Kameras ergänzen dabei die physische Präsenz der Mitarbeitenden.

Ebenso wichtig sind klare rechtliche und technische Leitplanken, die gemeinsam mit dem Datenschutzbeauftragten und dem Betriebsrat geschaffen werden. Das gibt den Mitarbeitenden die Sicherheit, dass die Technik rechtskonform und zum Schutz ihrer Person eingesetzt wird. Darüber hinaus gibt es eine psychologische Nachbetreuung: Sollte es dennoch zu einem Vorfall kommen, greifen unsere internen Betreuungsstrukturen. Die Aufzeichnungen helfen uns zudem, Vorfälle objektiv aufzuarbeiten.

Die Body-Cam ist für uns also das digitale Schutzschild, dass unsere bewährten Sicherheitsmaßnahmen sinnvoll ergänzt und das Sicherheitsgefühl im Team stärkt.

Wie wurden die Mitarbeitenden auf den Einsatz der Body-Cams vorbereitet?

Die Vorbereitung unserer Mitarbeitenden war intensiv, denn die Akzeptanz des Teams ist der wichtigste Erfolgsfaktor. Alle Mitarbeitenden haben eine technische Einweisung erhalten. Dabei ging es nicht nur um die Bedienung, sondern vor allem um die Handhabung im Dienstalltag.

Wie kündige ich die Aufnahme an? Diese Abläufe haben wir in Rollenspielen trainiert, um Sicherheit im Umgang mit der neuen Technik zu gewinnen.

Zusätzlich erfolgten rechtliche Unterweisungen (Datenschutz), eine Dienstanweisung sowie eine Betriebsvereinbarung.

Auch die psychologische Vorbereitung war ein wichtiger Bestandteil: In Teamgesprächen wurde sehr offen über Erwartungen und Sorgen gesprochen. Ergänzend dazu fanden Feedbackrunden unter den Mitarbeitenden statt.

Wie erleben die Fahrausweisprüferinnen und -prüfer den Einsatz der Kameras im Arbeitsalltag?

Unterschiedlich. Aus dem Team kommen durchweg positive Rückmeldungen. Viele Kolleginnen und Kollegen berichten, dass sich die Dynamik eines Gesprächs schnell ändert, sobald ihr Gegenüber die Kamera bemerkt.

Oft reicht bereits der Hinweis auf die Aktivierung aus, um eine aggressive Situation zu beruhigen. Die Body-Cam wird nicht als Fremdkörper, sondern als unverzichtbarer Teil der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) wahrgenommen.

Mein Ziel ist es, dass meine Mitarbeitenden ihren Dienst verrichten können, ohne mit Anfeindungen oder Gewalt rechnen zu müssen.

Edeltraud Beer, Sachgebietsleiterin Fahrausweisprüfung bei der Rheinbahn AG

Wie reagieren die Fahrgäste auf den Einsatz von Body-Cams? Und wie stellen Sie sicher, dass Datenschutz und Persönlichkeitsrechte gewahrt bleiben?

Am Anfang fanden es die Fahrgäste grundsätzlich nicht negativ, eher mit einem gewissen Störgefühl verbunden, und es gab viele Fragen zum Datenschutz, zu den Aufnahmen und dazu, ob die Body-Cams auch tatsächlich echt sind. Wie schon erwähnt, halten wir uns an die Leitplanken des Datenschutzes, das heißt, es erfolgt keine permanente Aufzeichnung (Standby-Modus).

In einer drohenden Eskalation bzw. Gefahrensituation wird die Aktivierung sowohl beim Pre-Recording als auch bei der Aufnahme selbst angekündigt und anschließend manuell durchgeführt. Wir haben Informationsflyer erstellt, um die Fragen der Fahrgäste bestmöglich zu beantworten.

Wird die Kamera häufig tatsächlich aktiviert oder wirkt sie eher präventiv? Inwiefern hat sich die Zahl von Übergriffen oder Eskalationen seit Einführung der Kameras verändert?

Der größte Erfolg der Body-Cam ist nicht das aufgezeichnete Video, sondern das Video, das gar nicht erst aufgenommen werden musste, weil die Situation friedlich geblieben ist.

Die Kamera fungiert als stiller Begleiter, der bei allen Beteiligten ein professionelles Verhalten fördert, da dem Gegenüber sein eigenes Handeln bewusst wird.

Während verbale Beleidigungen weiterhin vorkommen, haben wir kaum tatsächliche Aktivierungen bei Übergriffen – die Kamera wirkt stark präventiv.

Was wünschen Sie sich für die zukünftige Entwicklung der Fahrausweisprüfung?

Für die Zukunft wünsche ich mir primär eine Rückkehr zu einem respektvolleren Miteinander. Die Fahrausweisprüfung ist ein Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs und dient dazu, Fairness gegenüber allen zahlenden Fahrgästen zu gewährleisten.

Mein Ziel ist es, dass meine Mitarbeitenden ihren Dienst verrichten können, ohne mit Anfeindungen oder Gewalt rechnen zu müssen. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass die Arbeit unserer Prüferinnen und Prüfer sowie der Sicherheitskräfte wieder als das wahrgenommen wird, was sie ist: ein Dienst für die Gemeinschaft.

Ebenso ist es mir wichtig, dass wir als Unternehmen weiterhin konsequent hinter unseren Mitarbeitenden stehen. Sicherheit ist kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein dauerhafter Prozess.

Ich wünsche mir, dass die Body-Cam irgendwann nicht mehr als „Abschreckung“ benötigt wird, sondern als ein normales Backup-Tool im Hintergrund fungiert – weil der Respekt im Alltag wieder zugenommen hat.

Über Edeltraud Beer

Edeltraud Beer ist bei der Rheinbahn AG für den Bereich Fahrausweisprüfung und die Sicherheit der Mitarbeitenden im Kontroll- und Prüfdienst verantwortlich. In ihrer Funktion beschäftigt sie sich intensiv mit Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr. Dazu gehören unter anderem Deeskalationsstrategien, Sicherheitskonzepte sowie die Einführung und Begleitung moderner Technologien wie Body-Cams. Ihr besonderes Anliegen ist es, den Mitarbeitenden ein sicheres Arbeitsumfeld zu ermöglichen und gleichzeitig einen respektvollen Umgang zwischen Fahrgästen und Kontrollpersonal zu fördern.

Die Rheinbahn im WDR

Der Einsatz von Body-Cams bei der Rheinbahn war bereits Thema in der regionalen Berichterstattung des WDR. Hier geht es zum Beitrag „Mehr Body-Cams bei der Düsseldorfer Rheinbahn“.

Die Aggressivität ist [durch die Body-Cams] gar nicht erst so hochgekocht. Es gab deutlich weniger Konfrontationen und auch eine Reduzierung von Übergriffen, rein nominell. Wir sprechen von einer Verbesserung in einem Jahr von knapp 30%.

Christian Finke, Leiter Betrieb Rheinbahn AG

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Die Rheinbahn reagierte auf eine zunehmende Emotionalisierung und Eskalation in Kontrollsituationen. Body-Cams sollen Mitarbeitende schützen, potenzielle Täter abschrecken und Situationen frühzeitig deeskalieren. Gleichzeitig dienen sie der objektiven Beweissicherung.

Nein. Die Body-Cam ist Teil einer umfassenden Sicherheitsstrategie. Dazu gehören unter anderem Deeskalationsschulungen, angepasste Einsatzkonzepte, klare rechtliche Rahmenbedingungen sowie psychologische Betreuungsangebote nach Vorfällen.

Die Mitarbeitenden erhielten technische und rechtliche Schulungen sowie praktische Trainings mit Rollenspielen. Ergänzt wurde dies durch Dienstanweisungen, eine Betriebsvereinbarung und offene Gespräche über Erwartungen und mögliche Bedenken.

Die Rückmeldungen aus dem Team sind überwiegend positiv. Viele Beschäftigte berichten, dass sich das Verhalten von Fahrgästen häufig bereits durch den Hinweis auf die Kamera beruhigt. Die Body-Cam wird inzwischen als Teil der persönlichen Schutzausrüstung wahrgenommen.

Weitere Beiträge