Die Sicherheit von Kundenbetreuenden und Fahrgästen hat für die Deutsche Bahn höchste Priorität. Um Mitarbeitende im Fahrdienst besser vor Übergriffen zu schützen, setzt die DB Regio AG seit mehreren Jahren auf die NetCo Body-Cam als Teil eines umfassenden Sicherheitskonzepts. Im Interview erläutert Monique Schrickel aus dem Securitymanagement der DB Regio, welche Herausforderungen den Arbeitsalltag der Kundenbetreuenden prägen, welche Erfahrungen mit den Body-Cams gemacht wurden und warum Deeskalation und Prävention dabei im Mittelpunkt stehen.
Frau Schrickel, welche sicherheitsrelevanten Herausforderungen beschäftigen Kundenbetreuende derzeit besonders?
Unseren Kundenbetreuenden ist bewusst, dass es im Arbeitsalltag zu Konflikt- und potenziellen Gefahrensituationen innerhalb unserer Züge kommen kann. In den vergangenen Jahren hat sich ihr Arbeitsumfeld spürbar verändert.
Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit gesamtgesellschaftlichen Veränderungen, deren Verlauf wir direkt wahrnehmen – sowohl für unsere Mitarbeitenden als auch für unsere Fahrgäste.
Vor diesem Hintergrund besteht ein klares Bedürfnis nach bestmöglichem Schutz. Unsere Mitarbeitenden möchten sich in ihrer Arbeit sicher fühlen, ihr persönliches Sicherheitsempfinden stärken und gleichzeitig weiterhin gewährleisten, dass unsere Fahrgäste zuverlässig und sicher an ihr Reiseziel gelangen.
Welche Rolle spielt das Thema Mitarbeiterschutz in der strategischen Ausrichtung der DB Regio?
Für die DB Regio ist die Sicherheit unserer Fahrgäste und Mitarbeitenden nicht verhandelbar. Sie ist ein zentraler Bestandteil unserer strategischen Ausrichtung. Wir nehmen wahr, dass kritische Situationen im Betriebsalltag zunehmen, und reagieren darauf konsequent.
Um unsere Mitarbeitenden bestmöglich zu schützen, haben wir eine Vielzahl präventiver Maßnahmen etabliert. Dazu zählen verpflichtende Deeskalationstrainings, die Einführung des Prio-Rufs, das freiwillige Tragen von Body-Cams, regelmäßig stattfindende Sicherheitstage sowie der gezielte Einsatz von Sicherheitspersonal. All diese Maßnahmen verfolgen ein gemeinsames Ziel: Risiken frühzeitig zu minimieren und Handlungssicherheit zu erhöhen.
Seit wann setzt DB Regio Body-Cams im Fahrdienst ein – und welche Ziele wurden mit dieser Maßnahme verfolgt?
Die stufenweise Einführung der Body-Cams begann im Jahr 2022 und stieß von Beginn an auf große Nachfrage. Seit 2024 stehen Body-Cams unseren Kundenbetreuenden flächendeckend und auf freiwilliger Basis zur Verfügung.
Ziel dieser Maßnahme ist es, durch die präventive Wirkung der Body-Cams Übergriffe auf unsere Mitarbeitenden zu vermeiden. Die rückläufige Anzahl schwerer Vorfälle bestätigt diesen Ansatz.
Nach der tödlichen Attacke auf unseren Kollegen im Februar dieses Jahres wurde die Body-Cam-Schulung für alle Kundenbetreuenden verpflichtend eingeführt. Ziel ist es, durch fundiertes Wissen und den direkten Austausch die freiwillige Nutzung weiter zu fördern.
Neben der Deeskalation spielt auch die mögliche Beweissicherung eine wichtige Rolle, um im Bedarfsfall eine Strafverfolgung zu unterstützen und Täter:innen identifizierbar zu machen.
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„Allein das Tragen der Body-Cam, ohne dass ich sie einschalte, wirkt schon deeskalierend. Die Hemmschwelle steigt, und die Kommunikation läuft ruhiger.“
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Rückmeldung aus der Belegschaft der DB Regio
Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Mitarbeitenden zum Einsatz der Body-Cams – insbesondere im Hinblick auf Sicherheitsgefühl und Deeskalation (Frontdisplay)?
Die Rückmeldungen aus der Belegschaft sind überwiegend sehr positiv. Ein häufig zitierter O-Ton lautet:
„Allein das Tragen der Body-Cam, ohne dass ich sie einschalte, wirkt schon deeskalierend. Die Hemmschwelle steigt, und die Kommunikation läuft ruhiger.“
Viele Mitarbeitende berichten von einem deutlich gestiegenen Sicherheitsgefühl. Sollte eine Situation trotz sichtbarer Body-Cam an Spannung zunehmen, wirkt das Einschalten des Frontdisplays meist zusätzlich deeskalierend, da sich das Gegenüber selbst im Display wahrnimmt. Die Body-Cam ist dabei eines von mehreren Sicherheitswerkzeugen und fest in unser gesamtheitliches Deeskalationskonzept eingebettet.
Wie werden Body-Cams organisatorisch eingebunden, etwa in Schulungskonzepte, Einsatzrichtlinien und Datenschutzvorgaben?
Der Datenschutz bildet die Grundlage für das Tragen und den Einsatz von Body-Cams im Bahnbetrieb. Bereits im Vorfeld wurde ein umfassendes Betreiberkonzept inklusive Datenschutzfolgeabschätzung erstellt.
Die Nutzung der Body-Cam ist an eine spezielle Schulung gekoppelt, die zur Berechtigung zum Tragen führt. Darüber hinaus wird das Thema regelmäßig im Fortbildungsunterricht aufgegriffen. Ergänzend stehen unseren Mitarbeitenden klare Handlungsanweisungen, Informationsflyer sowie Hinweiskärtchen für mögliche Betroffene zur Verfügung. So stellen wir sicher, dass der Einsatz der Body-Cams transparent, regelkonform und verantwortungsvoll erfolgt.
Mit dem Ausbau präventiver Sicherheitsmaßnahmen setzt die Deutsche Bahn ein klares Zeichen: Gewaltprävention, Deeskalation und der Schutz der Menschen im Bahnverkehr stehen im Mittelpunkt.
Über Monique Schrickel
Monique Schrickel ist im Securitymanagement der DB Regio AG tätig und befasst sich mit Sicherheits- und Präventionsmaßnahmen zum Schutz von Mitarbeitenden und Fahrgästen im Bahnbetrieb. Zu ihren Aufgaben gehört die Weiterentwicklung von Sicherheitskonzepten, darunter auch die Einführung und organisatorische Begleitung von Body-Cams für Kundenbetreuende. Im Fokus ihrer Arbeit stehen Gewaltprävention, Deeskalation sowie die Stärkung des Sicherheitsgefühls im Arbeitsalltag.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Im Mittelpunkt stehen Gewaltprävention, Deeskalation und der Schutz der Mitarbeitenden. Darüber hinaus können Aufzeichnungen im Bedarfsfall zur Beweissicherung und Strafverfolgung beitragen.
Die Einführung der Body-Cams begann stufenweise im Jahr 2022. Seit 2024 stehen die Kameras den Kundenbetreuenden der DB Regio flächendeckend auf freiwilliger Basis zur Verfügung.
Nach Erfahrungen der Deutsche Bahn kann das Frontdisplay zusätzlich deeskalierend wirken. Menschen nehmen sich selbst auf dem Display wahr und passen ihr Verhalten häufig entsprechend an.
Nein. Die Body-Cam ist Teil eines umfassenden Sicherheitskonzepts. Dazu gehören unter anderem Deeskalationstrainings, Sicherheitstage, der Prio-Ruf sowie der Einsatz von Sicherheitspersonal.
