Body-Cam Fachdialog in Leipzig: Gewaltprävention im ÖPNV im Fokus

Body-Cam Fachdialog in Leipzig: Gewaltprävention im ÖPNV im Fokus

Dritte Station der Veranstaltungsreihe von NetCo verbindet Forschung und Einsatzpraxis

Blankenburg (Harz), 4. September 2026 — Am 27. August 2026 hat in Leipzig der dritte Body-Cam Fachdialog der NetCo Professional Services GmbH stattgefunden. Neu im Programm der Reihe war ein inhaltlicher Schwerpunkt auf dem öffentlichen Personennahverkehr und auf der Frage, wie Verkehrsunternehmen auf Gewalt gegen ihre Beschäftigten reagieren. Im Mittelpunkt stand dabei nicht die Technik, sondern die Prävention.

Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Raum betrifft Fahrpersonal, Prüfdienste und Sicherheitskräfte gleichermaßen. Für Verkehrsunternehmen stellt sich damit eine doppelte Aufgabe: Sie müssen ihre Mitarbeitenden schützen und gleichzeitig ein Einsatzkonzept entwickeln, das rechtlich tragfähig und im Schichtbetrieb praktikabel ist. Genau an dieser Schnittstelle setzte das Programm in Leipzig an.

Zum Auftakt hatten Anna-Lena Nolte, Head of Body-Cam, und Johannes Hagner, Key Account Manager, in Einsatzszenarien und aktuelle Entwicklungen eingeführt.

Gewalt im öffentlichen Raum: die Sicht der Forschung

Den fachlichen Rahmen lieferte Leon Walter, M.Sc. Psychology, vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld. Sein Vortrag ordnete Ursachen und Entwicklungen von Gewalt im öffentlichen Raum ein und stellte Präventionsansätze vor. Der Blick aus der Forschung machte deutlich, dass technische Maßnahmen wie Body-Cams Teil eines größeren Konzepts sind und Schulungen sowie Kommunikationsmaßnahmen nicht ersetzen.

Erfahrungen aus dem laufenden Einsatz

Die Einsatzperspektive brachte Monique Schrickel ein, Securitymanagerin bei DB Regio AG, Gebiet Südost. Sie zeigte, wie eine Body-Cam ein bestehendes Sicherheitskonzept ergänzt, statt es zu ersetzen: Neben Deeskalationstrainings, Sicherheitstagen und dem gezielten Einsatz von Sicherheitspersonal ist sie eines von mehreren Werkzeugen. Ein wesentlicher Punkt war die Wirkung auf das Sicherheitsempfinden der Mitarbeitenden. Schrickel zitierte dazu eine Rückmeldung aus der Belegschaft: „Allein das Tragen der Body-Cam, ohne dass ich sie einschalte, wirkt schon deeskalierend. Die Hemmschwelle steigt, und die Kommunikation läuft ruhiger.“

„Wer über Body-Cams spricht, muss zuerst über die Situationen sprechen, in die unsere Anwender geraten“, sagt Anna-Lena Nolte (NetCo). „Der Austausch in Leipzig hat gezeigt, wie viel Verkehrsunternehmen voneinander lernen können, wenn Forschung und Einsatzpraxis an einem Tisch sitzen.“

Datenschutz durchgehend mitdenken

Ein weiterer Schwerpunkt war der datenschutzkonforme Einsatz. Deutlich wurde, dass der Datenschutz nicht am Ende einer Einführung steht, sondern deren Grundlage bildet: Betreiberkonzept und Datenschutz-Folgenabschätzung im Vorfeld, eine an eine Schulung gekoppelte Trageberechtigung, klare Handlungsanweisungen sowie Informationsmaterial für Betroffene. Die Technik schafft dafür die Voraussetzungen, etwa durch rollenbasierte Zugriffsrechte, definierte Löschfristen und eine sichere Speicherung der Aufzeichnungen. Tragfähig wird der Einsatz aber erst durch das Konzept des Anwenders und die organisatorischen Rahmenbedingungen.

Austausch in kleiner Runde

Der zeitliche Rahmen ist bewusst so gesetzt, dass neben den Vorträgen Raum für Gespräche bleibt. Bei einem gemeinsamen Mittagessen und einem offenen Get-together konnten die Teilnehmenden eigene Fragen stellen, Erfahrungen aus dem eigenen Betrieb einbringen und sich untereinander austauschen. Die Themen reichten vom Umgang mit Aufzeichnungen über Schulungskonzepte bis zur Akzeptanz im Team. Für Organisationen, die eine Einführung planen, ist gerade dieser direkte Austausch mit Anwendern ein wesentlicher Teil des Formats.

Der Body-Cam Fachdialog ist eine regionale Veranstaltungsreihe für den praxisnahen Austausch rund um den Body-Cam Einsatz. Das halbtägige Format richtet sich an Organisationen, die Body-Cams bereits nutzen oder deren Einführung planen. Die Teilnehmendenzahl bleibt bewusst überschaubar. Leipzig war nach Kassel und Mainz die dritte von vier Stationen.

Ausblick: Fachdialog in Berlin und die Body-Cam Konferenz

Die vierte Station führt die Reihe am 3. Dezember 2026 nach Berlin. Anmeldungen sind über die Veranstaltungsseite möglich. Anschließend werden zentrale Erkenntnisse aus den Fachdialogen auf der Body-Cam Konferenz überregional zusammengeführt. Nach dem derzeitigen Planungsstand soll daraus eine mehrtägige Fachveranstaltung werden, die Behörden, Verkehrsbetriebe, Sicherheitsunternehmen und weitere mit Sicherheitsaufgaben befasste Organisationen zusammenbringt und ein breites Themenspektrum abdeckt (Stand: September 2026).

Weiterführende Informationen

Programm und Anmeldung zum Body-Cam Fachdialog in Berlin: www.netco.de/body-cam/fachdialog

Interview mit Monique Schrickel, Securitymanagerin bei DB Regio AG, zu Mitarbeiterschutz, Deeskalation und Prävention im Bahnbetrieb:
„Body-Cams im Bahnverkehr: DB Regio über Mitarbeiterschutz, Deeskalation und Prävention“, NetCo Body-Cam Blog  

FAQ (Häufig gestellte Fragen)

Der Body-Cam Fachdialog ist eine regionale Veranstaltungsreihe der NetCo Professional Services GmbH für den praxisnahen Austausch rund um den Body-Cam Einsatz. Das Format ist halbtägig und richtet sich an Organisationen, die Body-Cams bereits nutzen oder deren Einführung planen. Kurze Fachvorträge, ein gemeinsames Mittagessen und ein offenes Get-together lassen Raum für Gespräche in kleiner Runde. Die Reihe umfasst in 2026 vier Stationen: Kassel, Mainz, Leipzig und Berlin.

Schwerpunkte waren der öffentliche Personennahverkehr und die Frage, wie Verkehrsunternehmen auf Gewalt gegen ihre Beschäftigten reagieren. Beides war neu im Programm der Reihe. Leon Walter vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld ordnete Ursachen und Entwicklungen von Gewalt im öffentlichen Raum ein und stellte Präventionsansätze vor. Ein weiterer Schwerpunkt war der datenschutzkonforme Einsatz von Body-Cams.

Body-Cams sind Teil eines größeren Konzepts und ersetzen weder Schulungen noch Kommunikationsmaßnahmen. Für Verkehrsunternehmen stellt sich eine doppelte Aufgabe: Sie müssen ihre Mitarbeitenden schützen und gleichzeitig ein Einsatzkonzept entwickeln, das rechtlich tragfähig und im Schichtbetrieb praktikabel ist.

Die vierte Station der Reihe findet am 3. Dezember 2026 in Berlin statt. Die Anmeldung ist über die Veranstaltungsseite von NetCo möglich.

Der Datenschutz steht nicht am Ende einer Einführung, sondern bildet deren Grundlage. Dazu gehören ein Betreiberkonzept und eine Datenschutz-Folgenabschätzung im Vorfeld, eine an eine Schulung gekoppelte Trageberechtigung, klare Handlungsanweisungen und Informationsmaterial für Betroffene. Die Technik schafft die Voraussetzungen, etwa durch rollenbasierte Zugriffsrechte, definierte Löschfristen und eine sichere Speicherung der Aufzeichnungen. Tragfähig wird der Einsatz erst durch das Konzept des Anwenders und die organisatorischen Rahmenbedingungen.

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